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taz Nr. 7799 vom 21.10.2005, Seite 18, 184 TAZ-Bericht INGE LINDEMANN
Uran im Mineralwasser
Das giftige und radioaktive Schwermetall Uran hat
eigentlich nichts in unserem Trinkwasser zu suchen. Doch Kontrollen
ergaben, dass jedes zweite Mineralwasser belastet ist. Experten
fordern, dass endlich Grenzwerte festgelegt werden
"Gut zu wissen, was man trinkt", so lautet der Slogan einer großen
Wasserfirma. Der Trend zum Mineralwasser ist ungebrochen, begleitet von
Fitnessboom und Fettdiskussion. Leitungswasser hingegen hat ein
schlechtes Image. Doch sowohl im normalen Trinkwasser als auch im
Mineralwasser kann Uran in gesundheitsrelevanten Mengen vorkommen -
wovon die Bevölkerung meist nichts weiß. Uran ist doppelt gefährlich:
als radioaktiver Alphastrahler und als ein besonders giftiges
Schwermetall. Uran reichert sich bevorzugt in Knochen an und kann unter
anderem Funktionsstörungen der Niere, Lunge und Leber, aber auch Krebs
und Erbgutveränderungen auslösen. Inzwischen ergriff das Bundesinstitut
für Risikobewertung (BfR) in Berlin die Initiative: Präsident Andreas
Hensel mahnte, dass Säuglingsnahrung kein uranhaltiges Mineralwasser
enthalten sollte. Das BfR stützt seine Empfehlung auf die Auswertung
von 1.500 in diesem Sommer auf Uran untersuchte Mineralwasser aus der
Lebensmittelüberwachung der Länder. Demnach würden über die Hälfte der
Wasserproben die vorgeschlagene Nachweisgrenze von 0,2 Mikrogramm Uran
pro Liter überschreiten und damit die Auflage des BfR nicht erfüllen..........
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Verseuchte Böden durch Antibiotika und Uran
Dünger muss stärker überprüft werden
Antibiotika aus der Tierhaltung werden nach der Ausbringung von
Gülle auf die Felder von Nutzpflanzen aufgenommen und gelangen somit in
die Nahrung.
Dieser Nachweis ist jetzt Chemikern der Universität Paederborn gelungen.
In einer dreijährigen Studie behandelten sie Ferkel mit
Chlortetracyclin und Sulfonamidpräparaten,sammelten die Ausscheidungen
der Tiere, lagerten sie in Behältern und verwendeten die Gülle
schließlich zur Düngung von Feldern.
Noch nach acht Monaten waren die ausgeschiedenen Arzneistoffe in
der gelagerten Gülle zu finden, ebenso in den oberen Bodenschichten der
biologisch gedüngten Felder.
Der Leiter der Studie, Prof.Manfred Grote, berichtet:
"Unsere Analysen der erntereifen Pflanzen ergaben
Antibiotikagehalte in Wurzeln und Grünanteilen. Wir waren sehr
überrascht, auch im Korn des Winterweizens Spurengehalte an
Chlortetracyclin, circa 50 Mikrogramm pro Kilogramm zu finden."
Damit war der Beweis erbracht, dass Antibiotika über die Nutzpflanzen in die Nahrung gelangen.
Vor einer anderen Gefahr im Boden warnen Jürgen Hahn vom
Umweltbundesamt und Ewald Schnug von der Bundesforschungsanstalt für
Landwirtschaft (FAL): Der Kernbrennstoff Uran gelangt zunehmend mit
Mineraldünger auf die Felder und dort in Wurzelfrüchte wie zum Beispiel
Kartoffeln.
Bis Ende der 90er Jahre war Uran ein Nebenprodukt der
Phosphordüngerherstellung. Doch dann lohnte - wegen der weltweiten
Abrüstung - die Uranextraktion aus Mineraldüngern nicht mehr. Seitdem
wandert das giftige Schwermetall auf die Felder. Ewald Schnug: "Mit der
üblichen Phosphormineraldüngung kommen etwa 10 bis 22 Gramm Uran auf
den Hektar Acker." Da nur Bruchteile durch Erosion und Ernteprodukte
wieder verschwinden, sei mit steigenden Uranmengen im Boden, in
Oberflächengewässern und in der Nahrung zu rechnen. Ewald Schnug und
Jürgen Hahn fordern daher "als Allermindestes eine Deklarationspflicht
für Uran im Dünger".
Quellen:www.chemie.de/news; www.strahlentelex.de
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